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Regelschmerzen durch Histaminintoleranz

Regelschmerzen durch Histaminintoleranz

Regelschmerzen sind für viele Mädchen und Frauen wiederkehrende monatliche Gäste. Es sind unbeliebte Gäste, weil es oft nicht bei einem leichten Ziehen im Unterleib bleibt. Bauchkrämpfe, Rückenschmerzen, Migräne, Übelkeit und Stimmungsschwankungen stellen sich immer wieder ein. Sie werden mit Hausmitteln und Schmerztabletten bekämpft, bekommen es mit Mönchspfeffer, Kamillentee und Sport zu tun. Die gute alte Wärmflasche oder kühle Umschläge hält wohl jede betroffene Frau für diese Tage bereit.

Es ist noch gar nicht lange her, da wurden Regelschmerzen fast ausschließlich der Psyche zugeordnet. Zeigten sich bei der gynäkologischen Untersuchung keine Auffälligkeiten, schrieben Ärzte die hartnäckig auftretenden Beschwerden stressigen Situationen, Bewegungsmangel oder unsicherem weiblichen Selbstbewusstsein zu. Heute weiß man darüber mehr, doch noch immer besteht Aufklärungsbedarf. Denn der Zusammenhang zwischen Histaminspiegel und Regelschmerzen ist vielen Frauen noch nicht bekannt.

Histamin: Ein vielseitiger Botenstoff

Histamin ist ein Eiweiß, das für unseren Körper lebenswichtig ist. Es wird zum einen im Körper selbst produziert, zum anderen durch Speisen und Getränke aufgenommen. Histamin fungiert bei vielen wichtigen Körperfunktionen als Botenstoff. Beispiele dafür sind:

  • Immunabwehr: Fremdstoffe bekämpfen
  • Entzündungsreaktionen: Wundheilung
  • Zentralnervensystem: Schlaf- und Wachrhythmus, Stimmungen
  • Steuerung des Appetits (Sättigungsgefühl)
  • Verdauung: Magensäureproduktion
  • Herz-Kreislauf-System: Herzschlag und Herzfrequenz, Erweiterung der Gefäße bei Abwehrreaktione

Das Histamin wirkt mit verschiedenen Stoffen im Körper zusammen, je nach der aktuellen Aufgabe. Es ist für den menschlichen Körper nur begrenzt verträglich. Deshalb gibt es mehrere „Gegenspieler“ von Histamin, darunter das Enzym Diaminoxidase. Dieses Enzym, kurz DAO genannt, baut überschüssiges Histamin ab und sorgt so dafür, dass der Histaminspiegel auf einer verträglichen Höhe bleibt.

Abdigest-histaminintoleranz

Histaminintoleranz: Zu wenig DAO

Durch verschiedene Einflüsse kann das DAO in seiner Funktion eingeschränkt werden. Es wird entweder nicht ausreichend produziert, ist beschädigt oder reagiert zu langsam. Nimmt man nun histaminhaltige Nahrungsmittel zu sich, steigt der Histaminspiegel an, ohne dass ein Ausgleich erfolgt. Der Körper reagiert mit Symptomen, die alle Organsysteme betreffen können. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Atemnot bis hin zu Asthma
  • Fließschnupfen, „verstopfte“ Nase, Husten, Heiserkeit
  • Verdauungsbeschwerden: Blähungen, Bauchschmerzen, Krämpfe, Durchfall, Erbrechen
  • Kreislaufbeschwerden: Schwindel, Herzrasen, Blutdruckabfall oder –anstieg, Ohnmacht
  • Kopfschmerzen, Migräne
  • Hautreaktionen: Rötung, Ekzeme, Juckreiz
  • Erschöpfung

Viele dieser Symptome treten auch kurz vor oder in den ersten Tagen der Menstruation auf.

Wie löst Histamin Regelschmerzen aus?

Der Spiegel der DAO ist während der Menstruation vermindert, so dass der Histaminspiegel ansteigt. Das Histamin wiederum wirkt sich auf das Zusammenspiel verschiedener weiblicher Hormone aus. Unter anderem lässt es den Spiegel der Prostaglandine ansteigen. Das ist eine Hormongruppe mit vielfältigen Funktionen. Einige Prostaglandine sind für Schmerz und Muskelkontraktion verantwortlich. Sie bewirken zum Beispiel das Zusammenziehen der Gebärmutter. Diese Funktion ist bei der Geburt eines Kindes sinnvoll und überlebenswichtig. Vor und während der Menstruation ist die schmerzhafte Kontraktion der Gebärmutter eine unangenehme Begleiterscheinung.
Regelschmerzen können auch andere Ursachen haben. Es gibt jedoch Möglichkeiten herauszufinden, ob Histamin der „Übeltäter“ ist.

Die Ursache für Regelschmerzen finden

Bleibt die gynäkologische Untersuchung ohne Befund, könnte die Ursache für Regelschmerzen im erhöhten Histaminspiegel liegen. Das gilt auch dann, wenn die Frau außerhalb der Menstruation keinerlei Beschwerden feststellt. Bringen übliche Schmerzmittel – besonders am Anfang der Periode – keine Linderung, ist das ein Hinweis auf Histamin als Ursache.

Werden die Regelschmerzen während der Einnahme der „Pille“ stärker oder schwächer als vorher, ist das ein weiterer Hinweis auf den Zusammenhang mit Histamin. Der Grund liegt im Zusammenspiel von Histamin und Östrogen.

Leidet die Frau am prämenstruellen Syndrom (PMS), fühlt sie sich schon Tage vorher nicht wohl. Viele Frauen haben vermehrten Süßhunger, starke Kopfschmerzen, leiden unter Übelkeit und Stimmungsschwankungen. Sie sollten ebenfalls an Histamin als Ursache ihrer Beschwerden denken. Um das herauszufinden, ist etwas Geduld und Feinarbeit nötig.

Wie geht’s mir heute? Notizen machen

Jede Frau weiß, wie wichtig ein Regelkalender ist, doch nicht jede führt ihn sorgfältig. Das sollte sich jetzt ändern: Aufzeichnungen über Zeitpunkt und Stärke der Periode sowie auftretende Beschwerden sind die erste Maßnahme.

Ein Ernährungstagebuch zu führen, klingt lästig und umständlich, doch mit der Zeit spielt es sich schnell ein: Mindestens zwei Monate lang – besser länger – sollte die Frau notieren, was sie zu sich nimmt und wie es ihr danach geht, außerdem ihr Befinden bis zur nächsten Mahlzeit.

Wichtig ist auch die Aufzeichnung über Medikamente. Lindert zum Beispiel ein (frei verkäufliches) Antihistaminikum die Beschwerden, ist das ein wichtiger Hinweis auf einen erhöhten Histaminspiegel. Andererseits gibt es auch Schmerzmittel und andere Medikamente, die den Histaminabbau hemmen und deshalb nicht die gewünschte Wirkung erzielen.

Auch die Ernährung wird betrachtet: Es gibt Nahrungsmittel, die entweder Histamin enthalten oder den Histaminabbau hemmen oder die Freisetzung des körpereigenen Histamins fördern. Welche das sind, findet sich in zahlreichen Tabellen und Übersichten. Als Faustregel kann gelten: Je stärker ein Nahrungsmittel konserviert ist, je stärker es industriell verarbeitet ist und je mehr künstliche Stoffe es enthält, umso nachteiliger wirkt es auf den Histaminhaushalt.  Außerdem sind viele Nahrungsmittel umso histaminhaltiger, je länger sie gelagert werden.

Es ist interessant zu beobachten, wie sich das Befinden verändert, wenn der Speiseplan mindestens eine Woche vor der Menstruation solche kritischen Nahrungsmittel weitgehend ausschließt. Darüber hinaus kann der Abbau von Histamin durch einfache Maßnahmen gefördert werden.

Das fördert den Abbau von Histamin

Banner_Betacur_03_2016kleinAusreichendes Trinken ist für Wohlbefinden und Gesundheit gut und unterstützt auch den Histaminabbau. Wer stündlich 250 ml Wasser trinkt, hilft damit seinem Körper.

Kalzium: Die Einnahme von Kalzium ist ein bewährtes Mittel zur Bekämpfung von akuten Beschwerden.

Vitamine: Hier steht das Vitamin C ganz oben auf der Liste. Es fördert den Abbau von Histamin und kann sich auch günstig auf akute Symptome auswirken.

Vitamine B6 und D3 sowie Kalzium und Magnesium: Eine einfache Blutuntersuchung kann klären, ob hier Mangelzustände vorliegen, die sich ungünstig auf den Histaminspiegel auswirken.

Es ist auch möglich, dass eine bisher unerkannte Histaminintoleranz vorliegt. Diese macht sich durch starke Regelschmerzen bemerkbar, zeigt sich aber auch in anderen Symptomen.

Unspezifische Symptome als Zeichen von Histaminintoleranz

Da die Symptome der Histaminintoleranz unspezifisch sind, findet ein Arzt oft lange nicht die Ursache dafür. Folgende Anzeichen deuten darauf hin, dass eine Histaminintoleranz vorliegen könnte:

Verdauungsbeschwerden

  • Bauchschmerzen
  • Durchfall
  • Sodbrennen
  • Übelkeit nach dem Essen
  • Völlegefühl
  • Müdigkeit nach dem Essen

Kopfschmerzen

  • chronische Kopfschmerzen,
  • leichte bis mittelschwere Kopfschmerzen
  • Migräne

Atmungsorgane

  • Husten
  • Asthma
  • laufende Nase
  • häufiges Räuspern
  • Heiserkeit
  • verstopfte Nebenhöhlen

Hautprobleme

  • Erröten des Gesichts
  • Hautausschlag
  • Hautrötungen
  • Hautrötungen und Hitzegefühl
  • Nesselsucht
  • Quaddeln

Herz-Kreislauf-System

  • Antriebslosigkeit
  • Herzrhythmus-Störungen
  • Niedriger Blutdruck
  • Schwächegefühl
  • Übelkeit

Nervensystem, Psyche

  • Antriebsschwäche
  • Depression
  • Häufige Erschöpfung
  • innere Unruhe
  • Konzentrationsschwäche
  • Nervosität
  • Panikattacken
  • Schlafstörungen
  • Stimmungsschwankungen

Was ist zu tun?

Das schon beschriebene Ernährungstagebuch leistet für die Aufdeckung der Histaminintoleranz wertvolle Dienste. Zusätzlich sollte noch auf andere Einflüsse geachtet werden:

  • Körperliche Anstrengung
  • Jahreszeiten
  • Verletzungen
  • Medikamente, Impfungen
  • Allergien, Unverträglichkeiten

In den detaillierten Aufzeichnungen kann der Arzt erste Anhaltspunkte dafür finden, ob eine Histaminintoleranz vorliegt. Gewissheit darüber schafft eine Messung der DAO-Aktivität im Blut oder die Bestimmung des Histaminspiegels im Urin.

Bildnachweis: © leszekglasner – Fotolia.com

 

 

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