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Histamin nicht immer Ursache bei Alkoholunverträglichkeit

Histamin immer Grund für Probleme mit Alkohol?

Wer es am vergangenen Abend etwas übertrieben hat, der ist naturgemäß am nächsten Morgen nicht in Hochform. Kopfweh, ein flaues Gefühl im Magen, rote, verquollene Augen – das sind die Indizien von zu viel Alkohol. Doch was, wenn die Symptome auch nach lediglich einem Glas Wein auftreten? Diese und andere allergische Symptome, darunter verstopfte Nase, Rötungen oder Schnupfen, die nach dem Verzehr von bereits kleinen Mengen Alkohol auftreten können, deuten auf eine Alkoholallergie hin.

Der Partner leert ohne Probleme eine ganze Flasche Wein und Sie fühlen sich schon nach nur einem Glas schlecht? Das kann verschiedene Gründe haben

  • Alkoholintoleranz
  • Histaminintoleranz
  • Allergien / Unverträglichkeiten gegenüber Inhaltsstoffe des verzehrten Alkohols
  • Alkoholallergie / Ethanolallergie

Grundsätzlich sollte auch beachtet werden, dass Alkohol generell eine allergieverstärkende Wirkung hat.

Häufig wird die Histaminintoleranz für die Symptome nach dem Alkoholkonsum verantwortlich gemacht, doch dies ist lange nicht immer so. Die tatsächliche Ursache ist aber auch gar nicht so einfach zu identifizieren. Hier ist oft der einzige Weg, verschiedene Alkoholsorten und Mengen auszutesten und sich so Schritt für Schritt an die Diagnose heranzutasten.

Das passiert nach einem Glas Alkohol

Zuerst einmal sollte geklärt werden, was mit uns passiert, wenn wir Alkohol zu uns nehmen.

Trinken wir Alkohol, so ist besonders die Leber als Reinigungsorgan im Einsatz. Ihre Aufgabe ist es dafür zu sorgen, dass Giftstoffe ausgeschieden werden. Auch das Enzym Alkoholdehydrogenase (ADH) spielt eine entscheidende Rolle, da es Alkohol aus dem Blut abbaut. Entsprechend ist klar: Ist ADH zu wenig oder gar nicht vorhanden, verbleibt der Alkohol bzw. das giftige Acetaldehyd im Körper und verursacht die bekannten Symptome.

Ein Kater nach dem Alkoholkonsum ist das Resultat einer überforderten Leber. Wird dies auf die Spitze getrieben, spricht man von einer Alkoholvergiftung, die unter Umständen lebensbedrohlich sein kann.

Es ist zu beachten, dass die Menge an Alkohol, die wir vertragen, von Mensch zu Mensch ohnehin unterschiedlich ist. Wichtige Faktoren sind auch die individuelle Konstitution und natürlich auch die Gewöhnung. Auch ist wissenschaftlich belegt, dass Männer Alkohol in der Regel schneller abbauen als Frauen.

Alkoholunverträglichkeit

Liegt ein genetisch bedingter ADH-Mangel vor, sprich, fehlt von Geburt an das Enzym ADH, so spricht man von einer Alkoholunverträglichkeit. Diese ist in mitteleuropäischen Ländern eher selten, bei Menschen mit ostasiatischer Herkunft aber relativ häufig. Daher kommt auch die weit verbreitete Meinung, dass Asiaten grundsätzlich kein Alkohol vertragen. Dies ist aber nicht so.

Alkoholallergie

Im Falle einer Alkoholallergie – die häufig mit der Unverträglichkeit verwechselt wird – reagiert das Immunsystem abwehrend auf Alkohol. Während Unverträglichkeiten zwar unangenehm, aber nicht gesundheitsschädlich sind, kann ein anaphylaktischer Schock bei einem Allergiker lebensbedrohlich sein. Medizinisch korrekt ist im Übrigen nicht der Ausdruck Alkoholallergie, sondern Ethanolallergie. Eine solche Allergie ist jedoch sehr selten. Löst der Genuss von Alkohol eine Allergie aus, so wird diese in den meisten Fällen von einem anderen Bestandteil des Getränks verursacht.

Sulfit-Allergie

Sulfite, die Salze der Schwefelsäure, sind als Allergieauslöser bekannt. Sulfit ist besonders in Rotwein vertreten. Indiz für eine Sulfit-Allergie ist also, dass die Symptome fast ausschließlich nach dem Genuss von Rotwein auftreten, anderer Alkohol jedoch vertragen wird. Dennoch bedeutet eine Sulfit-Allergie nicht den absoluten Rotwein-Verzicht: Einige Rotweine sind mittlerweile Sulfit frei, was auch auf den Etiketten ausgelobt wird.

Schnapsschnupfen

Niesen, Schnupfen und glühende Wangen nach einem Glas Wein? Das kann auch der sogenannte Schnapsschnupfen sein. Dieser ist aber relativ harmlos und wird lediglich dadurch ausgelöst, dass Alkohol die Blutgefäße im Gesicht weitet.

Histaminintoleranz

Treten neben der typischen Kater Reaktionen wie Kopfschmerzen, Unwohlsein, Magenproblemen und Herzrasen auch noch Hautreaktionen auf, kann es eine Histaminintoleranz sein. Die Unverträglichkeit ist besonders häufiger Auslöser von Beschwerden in Verbindung mit mäßigem Alkoholkonsum. Grund ist das Fehlen bzw. ein Mangel am Enzym Diaminoxidase (DAO), das für den Abbau von Histamin zuständig ist.

Das Problem mit Alkohol: Der Alkohol fördert zusätzlich die Histaminfreisetzung im Körper und hemmt das DAO Enzym. Darüber hinaus wird durch den Alkoholkonsum die Darmwand durchlässier. Durch die Erweiterung der Blutgefäße werden die Symptome zusätzlich verstärkt.

Betroffene der Histaminintoleranz haben jedoch nicht nur Probleme beim Alkoholkonsum, sondern auch beim Verzehr anderer histaminhaltiger Nahrungsmittel.

Alkoholische Getränke mit viel Histamin

  • Champagner
  • Cognac
  • Obergärige Biere (Weißbier, Ale)
  • Portwein
  • Rotwein
  • Sherry
  • Whisky

Alkoholische Getränke mit weniger Histamin (Achtung: nicht histaminfrei)

  • Gin
  • Sekt
  • Rum (hell)
  • Untergärige Biersorten (Helles, Pils)
  • Weißwein
  • Wodka

 

Artikelbild: Fotolia © Wordley Calvo Stock